Mir wird schon nichts passieren!

Sicheres Verhalten am Arbeitsplatz fördern (safety performance shaping)

Bei mehr als 80 %  der Arbeitsunfälle wird menschliches Versagen als eine der Hauptursachen genannt. Im Zusammenwirken der drei großen Unfallursachen Technik – Organisation – Mensch, nehmen damit verhaltensbedingte Faktoren den Spitzenplatz ein. Was aber können Vorgesetzte und Sicherheitsverantwortliche gegen riskantes Verhalten am Arbeitsplatz tun?

Was verleitet uns zu riskantem Verhalten?

Eigentlich sollte es ja nicht schwierig sein, jemanden zu sicherheitsgerechtem Verhalten zu bewegen. Schließlich will ja niemand verunfallen. Und dennoch ist riskantes Verhalten am Arbeitsplatz keine Seltenheit. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Wir wiegen uns in falscher Sicherheit, fühlen uns gar nicht gefährdet oder überschätzen unsere Fähigkeiten. Nur 14 % der Gefahren schätzt der Mensch richtig ein, 18 % überschätzt und 68 % (!) unterschätzt er.
  • Wir meinen, gegen die Gefährdung nichts tun zu können, und verharmlosen die Gefahr, um unser Unbehagen zu reduzieren.
  • Eine sichere Arbeitsweise gerät häufig in Konflikt mit anderen Erwartungen (z.B. Arbeitsleistung) oder Bedürfnissen (z.B. Anerkennung, Bequemlichkeit). Unbewusst wägen wir ab, was mehr oder weniger Nachteile bringt und was unwahrscheinlicher ist.
  • Die Erfahrung führt uns manchmal auf die falsche Fährte (Wir machen das immer so und es ist noch nie etwas passiert). Und wir werden in der Routine leichtsinnig.
  • Wir hassen Vorschriften. Vor allem dann, wenn wir sie als sinnlos empfinden (wenn wir also den dahinter liegenden Sinn nicht kennen). Und erst recht, wenn deren Übertretung stillschweigend geduldet wird.
  • Wir sind ablenkbar und ermüden. Kein Mensch kann dauernd aufpassen und sich immer konzentrieren.

Die Diagnose menschliches Versagen (Er hat nicht aufgepasst, er hat zu langsam reagiert, ..) hilft uns aber nicht weiter. Denn ein ähnlicher Unfall kann morgen schon wieder passieren. Die Ursachenanalyse muss dahinter schauen: Was sind die wahren Gründe, die Motive für das sicherheitswidrige Verhalten? Das heißt: Das Gespräch mit den Mitarbeiter/-innen suchen. Nur sie können uns sagen, warum sie sich sicherheitswidrig verhalten.

Werkzeuge der Sicherheit zielgerichtet nutzen

Dann können auch die zentralen Elemente und vielfältigen Instrumente der Arbeitssicherheit nach den konkreten Bedürfnissen des Unternehmens und der Mitarbeiter/-innen gestaltet, zielgerichtet eingesetzt und wirksam genutzt werden:

  • Sicherheitsleitbild und Sicherheitsziele, die eine glaubwürdige Sicherheits- und förderliche Unternehmenskultur schaffen und durch die Vorbildwirkung des Managements und der Führungskräfte wirken
  • eine Sicherheitsorganisation, die das effiziente Zusammenwirken von Sicherheitsfachkräften, Sicherheitsvertrauenspersonen, Beauftragten für verschiedene Sicherheitsaspekte (Brandschutz, Gefahrgut ..), .. gewährleistet
  • Ausbildung, Instruktion und Information durch Plakate, Merkblätter, Videos, Anschlagbrett, Warnzeichen, Mitarbeiterzeitung, Intranet, systematische Aus- und Weiterbildung, Übungen, Demonstrationen, Sicherheitsgespräche ..
  • konsequent durchgesetzte Sicherheitsregeln in Stellen- und Arbeitsbeschreibungen, Arbeitsaufträgen, Unterweisungen, ..
  • Gefahrenermittlung und Risikobeurteilung, die mithilfe von Checklisten Gefährdungsschwerpunkte, Beinaheunfälle (Near Miss), Störungen, .. erfassen und identifizieren
  • eine Maßnahmenplanung und –realisierung, die die Effektivität von Kampagnen und Initiativen unterstützt
  • eine klare Notfallorganisation
  • verschiedene Formen der Mitwirkung, die durch Sicherheitsinterviews, bei der Auswahl von Persönlichen Schutzausrüstungen, durch Wettbewerbe, Verbesserungsvorschläge etc. aus skeptischen Betroffenen zustimmende Beteiligte macht
  • Maßnahmen der betrieblichen Gesundheitsförderung, Gesundheitsschutz, Ergonomie, Arbeitsmedizin, ...
  • Audits, Sicherheitskontrollen, Rundgänge, ..

Es lohnt dabei, nicht nur jene Instrumente zu betrachten, die unmittelbar mit "Arbeitssicherheit" oder "betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF)" übertitelt sind. Sondern genauso auch Führungsinstrumente wie Leistungsbeurteilung und Zielvereinbarung, betriebliche Management- und Anreizsysteme, das betriebliche Vorschlagswesen (KVP), das Qualitätsmanagement usw. Auch sie bestimmen das Sicherheitsverhalten, die Sicherheitskultur mit.

Ziel muss es sein, nicht losgelöst ein zusätzliches Programm für sicheres Verhalten einzuführen, sondern Vorhandenes zu nutzen, gegebenfalls zu modifizieren und zu ergänzen, um sicheres Arbeiten in den betrieblichen Alltag und in den Köpfen der Mitarbeiter/-innen zu integrieren.

Verknüpfung Mensch - Organisation - Technik

Wir müssen den Menschen nehmen, wie er ist. Unkonzentriertheit, Ablenkbarkeit, Ermüdung, Monotonie, Emotionen, Stressreaktionen, Wahrnehmungsfehler, Reflexe u.a. lassen sich nicht einfach nur mit gutem Willen beseitigen. Motivationsmaßnahmen alleine greifen hier zu kurz.

Gezielte technische (Maschinen, Arbeitsplatzausstattung, Verfahren, ..) und organisatorische (Arbeitsabläufe, Arbeitszeiten, ..) Maßnahmen müssen flankierend gesetzt werden, um eine Gefährdung auszuschließen - auch wenn der Mensch einen Moment lang unaufmerksam ist, einen Fehler macht, eben menschlich ist.

safety performance shaping

Technische und organisatorische Maßnahmen gemeinsam mit den Werkzeugen der Arbeitssicherheit und den betrieblichen Führungsinstrumenten formen (shaping) jene Rahmenbedingungen, unter denen die Menschen ihre Leistungsfähigkeit sicher entfalten können.

In einer Zusammenarbeit zwischen AUVA Allgemeine Unfallversicherungsanstalt, Fachbereich Psychologie des Unfallverhütungsdienstes Linz (Mag. Klaus Bohdal), und mc|mind.companion entstand der arbeitspsychologische Interventionsansatz safety performance shaping, der den verhaltensorientierten Zugang des Behavior-Based-Safety-Konzeptes mit systemischen Change Management Ansätzen kulturellen Wandels kombiniert. Das klingt akademischer als es in der konkreten Erarbeitung und Umsetzung vor Ort ist. In der Praxis heißt das:

  • sicherheitskritisches Verhalten identifizieren
  • Ursache-Wirkungszusammenhänge erkennen
  • verhaltensbeeinflussende Faktoren gestalten
  • Management- und Führungsinstrumente nutzen
  • Sicherheitskultur in den betrieblichen Alltag integrieren 

Gehen Sie dem riskanten Verhalten Ihrer Mitarbeiter/innen auf den Grund und nutzen Sie gezielt die vielfältigen Werkzeuge der Arbeitssicherheit und Ihre bestehenden Führungsinstrumente für mehr Sicherheit am Arbeitsplatz.
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AUVA empfohlen durch die AUVA Allgemeine Unfallversicherungsanstalt

Quellen und weiterführende Informationen:
AUVA Allgemeine Unfallversicherungsanstalt Österreich,
BAuA Deutsche Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin,
SUVA Schweizerische Unfallversicherungsanstalt,
Behavior Based Safety

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