Den Focus auf Weitwinkel stellen

Anregungen aus der systemischen Familientherapie

Vereinfacht ausgedrückt sieht die systemische Familientherapie das Verhalten des einzelnen (oder auch seine krankheitswertige Störung) weniger als Charakteristikum des einzelnen, sondern vielmehr als seine Strategie innerhalb des familiären Beziehungsnetzes. Dazu ein plakatives Beispiel: Die Krankheit eines Kindes ist seine Strategie, um die nötige Aufmerksamkeit zu bekommen, und wird von den Eltern insgeheim unterstützt, da die Paarbeziehung schon massiv bröckelt, die gemeinsame Sorge um das kranke Kind ihnen jedoch Grund und Sinn gibt, zusammen zu bleiben. Die Krankheit des Kindes hat also auch eine systemerhaltende Funktion. - Meine psychotherapeutischen Kolleg/innen mögen mir diese Vereinfachung verzeihen und Eltern mögen jetzt bitte nicht in Panik geraten, weil ihr Kind gerade Masern hat! - Schaffen wir keine Probleme, wo keine sind. Es geht hier schlicht um eine etwas andere Betrachtungsweise und um einen etwas anderen Lösungsansatz für Probleme und Veränderungen, nämlich um die systemische Perspektive:

Der Einzelne als Symptom für das Ganze

Das Verhalten des einzelnen deklarieren wir nicht als sein individuelles Problem, sondern wir verstehen es auf dem Hintergrund der Beziehungen, der Beziehungsmuster und -regeln, der interpersonalen Kommunikation. Wir sehen nicht nur das einzelne Verhalten, sondern auch die Zusammenhänge und Einflussfaktoren dahinter und rundherum. Wenn wir dieses Rundherum, diese Beziehungsregeln im weitesten Sinne ändern, wird sich auch das individuelle Verhalten verändern. Legen wir nun diese "systemische" Betrachtung auf Organisationen an, erleben wir so manches Aha-Erlebnis!

Das Verhalten, das Problem, die "Störung" des Einzelnen kann uns Aufschluss geben über das Beziehungsnetz, in dem er lebt. Sehr spitz formuliert: Krank ist nicht der einzelne, sondern krank ist das System. Mit diesem Verständnis eröffnen sich uns auch ganz andere Möglichkeiten, Ursachen für Störungen zu identifizieren und Probleme nachhaltig zu lösen. Setzen wir in der Problemlösung beim Einzelnen an und ändern nichts an den "krankmachenden" Rahmenbedingungen, dann werden wir vielleicht ein konkretes Symptom des Einzelnen weg bekommen, aber es wird in anderem Gewand wieder auftauchen, bei ihm selbst oder einem anderen Mitglied des Systems ("Symptomverschiebung"). Wir drehen uns im Kreis von einer Symptombehandlung zur nächsten, ohne das dahinterliegende Problem anzugehen.

Ursachen- statt Symptombehandlung

Das ist jetzt schon der dritte technische Entwickler, der innerhalb von zwei Jahren kündigt. Und die anderen sind auch die halbe Zeit in Krankenstand. Echte Mauerblümchen, diese Entwickler. Die Aufgabe der Entwicklung wird hier auf die individuelle Ebene, auf die Belastbarkeit des Einzelnen, auf ein individuelles Problem reduziert. Die Problemlösung wird an die Personalabteilung weitergereicht: Man brauche keine Mimosen, sondern belastbare Mitarbeiter. Vielleicht noch ein eintägiges Zeitmanagementseminar.

Vielleicht braucht es aber auch etwas anderes,

  • wenn wir uns den Führungsstil in der Entwicklungsabteilung anschauen,
  • wenn wir uns die Einschulung der Neuen durch die grauen Entwicklungseminenzen und deren Informationspolitik anschauen,
  • wenn wir uns das innerbetriebliche Prestige der "unproduktiven Kostenfaktoren, die ständig am Markt vorbeientwickeln", anschauen,
  • wenn wir uns die abschlägigen Projektgenehmigungen mit dem Hinweis, "wenn das eine gute Idee wäre, wäre schon ein anderer draufgekommen" anschauen,
  • wenn wir ...

Ergeben sich hier nicht nachhaltigere Lösungsansätze als den vierten Entwickler für ein halbes Jahr einzustellen?

Stellen Sie Ihren Focus auf Weitwinkel. Schauen Sie hinter die Symptome und setzen Sie an den Ursachen von Problemen an. mc|mind.companion schärft Ihren Blick für systemische Zusammenhänge und Lösungen.
Kontaktieren Sie Ihren systemischen Organisationsentwickler Christian Müller ..

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